Anfänge bis zum 17. Jahrhundert
Die erste Erwähnung einer Art Beginen-Gruppe in Kaufbeuren fällt in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts: „Sammlung der Schwestern im Meierhofe". In der Karolingerzeit lag hier womöglich ein fränkisches Verwaltungszentrum, dem ein Hausmeier vorstand. Um diesen Meierhof entwickelte sich allmählich die Siedlung Beuron, und aus den königlichen Verwaltungsbeamten ging ein Adelsgeschlecht hervor, das sich „von Buron" nannte. Im 12. Jh. starben die Herren von Buron aus. Die Frauengemeinschaft könnte von der Letzten dieses Geschlechts, einer Anna von Hof, um 1150 gegründet worden sein. Dies gehört aber in den Bereich der Sage. Im Jahre 1315 übernimmt die Kaufbeurer Frauengemeinschaft – so wie die Beginen in anderen Städten Mitteleuropas – auf kirchliche Anordnung hin die Regel des heiligen Franziskus und unterstellt sich damit der Leitung des Franziskanerordens. Vom 13. bis zum 15. Jh. entwickelt sich Beuron zur freien Reichsstadt und nimmt das Kloster in bezahltes Schutzrecht auf. Das bedeutet für die 15 Schwestern eine drückende Abgabenlast. Sie leben kontemplativ und decken ihren lebensnotwendigen Bedarf mit Einkünften aus kleinen bäuerlichen Betrieben im Umkreis, aus Jahrgangsstiftungen oder Spenden. 1325 zerstört ein schwerer Stadtbrand das in der Mitte liegende Kloster fast vollständig. Erst knapp 150 Jahre später lässt die Oberin Anna Scherich neue Gebäude errichten, die bis heute im Wesentlichen unsere Klosteranlage ausmachen.
Reformation und Dreißigjähriger Krieg
Die Beziehung zwischen Frauengemeinschaft und Stadtrat verschlechtert sich, als vom Jahre 1544 an der Protestantismus die Oberhand in Kaufbeuren gewinnt. Auch das kleine Kloster soll reformiert werden. Abgesandte des vorwiegend evangelischen Magistrats befehlen den Schwestern, „mit ihrer Mess Stillstand zu halten" und an den lutherischen Gottesdiensten teilzunehmen. Die Aufnahme von Novizinnen wird strikt untersagt, einer jeden Schwester soll der Austritt ohne Umschweife gestattet werden. Doch die Klosterfrauen halten zusammen und behaupten sich. Im Dreißigjährigen Krieg bewähren sich die Franziskanerinnen, indem sie sich und ihre Mitbürger mutig gegen Soldatenheere und Stadt-Belagerer schützen. 18 Mal wird die freie Reichsstadt von marodierenden Heeren durchzogen. Innerhalb der Klostermauern werden Frauen vor Vergewaltigungen, Vieh vor Schlachtungen und Besitztum vor Plünderung bewahrt.
18. und 19. Jahrhundert
Seine Blütezeit erlebt das unbedeutende Kloster durch eine faszinierende und bald über die Landesgrenzen hinaus bekannte Persönlichkeit: Crescentia Höß. Im Jahre 1703 eingekleidet, wird sie 1741 einstimmig zur Oberin gewählt und steht bis zu ihrem Tod im Frühjahr 1744 der Gemeinschaft als außergewöhnliche Oberin vor. Trotz ihrer kurzen Amtszeit löst Crescentia einen enormen inneren wie äußeren Aufschwung des Konvents aus, so dass sie heute als zweite Stifterin unseres Klosters gilt. Von 1744 an bis heute ist das Crescentiakloster Ziel vieler Hilfesuchender, Crescentia-Verehrer und Wallfahrer. Die Zahl der Schwestern ist über Jahrhunderte hinweg immer auf 15 bis 20 begrenzt gewesen. Das ändert sich erst, als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Gemeinschaft im Zuge der Säkularisation aufgelöst werden soll. Die Schwestern dürfen zwar auf dringende Intervention des Stadtrats weiterhin im Kloster ihr Leben führen, aber es ist ihnen von der Bayerischen Regierung untersagt, neue Schwestern aufzunehmen. Über 25 Jahre hinweg scheint das Kloster also zum Aussterben verurteilt. Da gelingt es den noch übrigen sechs Schwestern, die Bayerische Regierung davon zu überzeugen, dass die Klosterfrauen eine für das Land wichtige Aufgabe übernehmen könnten: Die Erziehung und Ausbildung der Mädchen in Kaufbeuren und Umgebung. Ludwig I. gestattet 1831 per Dekret den Schwestern die Aufnahme von Novizinnen. Viele junge Frauen finden sich in den nächsten Jahren ein. Von nun an übernehmen die Franziskanerinnen pädagogische Aufgaben. Aufgrund des starken Nachwuchses und der großen Nachfrage gründen die Schwestern in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s Kindergärten, Schulen und eine Lehrerinnenbildungsanstalt.
20. und 21. Jahrhundert
Der Seligsprechungsprozess Crescentias wird zwar bereits im Jahre 1746 eingeleitet, aber es dauert wegen der Säkularisationszeit und verschiedener Kriegswirren doch noch lange, bis die Seligsprechung erfolgen kann. Im Jahr 1900 ist es dann so weit: Papst Leo XIII. erklärt öffentlich, dass Crescentia als Selige verehrt werden kann.
Eine schwierige Zeit macht die Frauengemeinschaft während des Dritten Reiches durch. Immer wieder wird heimlich oder offen dazu aufgerufen, dem Kloster einen Denkzettel zu verpassen („Setzt den roten Hahn aufs Dach des Klosters"), wie es unzähligen anderen Ordensgemeinschaften in Deutschland geht. Im Jahre 1937 erfolgt dann der sog. Schulabbau: Alle Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen des Klosters verlieren ihre Arbeitsstelle und werden durch weltliche – und NS-ideologisch angepasste – Pädagogen ersetzt. Schwestern leiten heimlich katholische Jugendgruppen, was streng verboten ist. Sie werden aber nie entdeckt.
Als 1945 endlich der NS- und Kriegs-Albtraum vorbei ist, werden die Schwestern des Crescentiaklosters im Zuge der Entnazifizierung verstärkt als Lehr- und Erziehungspersonal eingesetzt.
Zum Ende des 20. Jh.s geht der Schwestern-Nachwuchs erheblich zurück und verschiedene Filialen des Klosters müssen aufgelöst werden. Während zu den besten Zeiten die Zahl der Schwestern ca. 150 betragen hat, sind es jetzt im Jahr 2010 nur noch 48. Der Dienst in der Schule ist stark zurückgegangen. Das Internat hingegen gewinnt in einer Zeit der Auflösung der Familien neu an Bedeutung. Die tägliche Essensausgabe für Bedürftige ist treu beibehalten worden. Aber es kommen auch sehr viele unter seelischer Not leidende Menschen an unsere Pforte, die die Möglichkeit zum Gespräch oder zu Oasentagen bzw. geistlicher Rast suchen.
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